Nur dreißig Jahre liegen zwischen den „Vier Ernsten Gesängen“ von Johannes Brahms und den Songs, die Kurt Weill in den Jahren der Weimarer Republik schrieb. Brahms vertonte seine Lieder nach Texten aus der Bibel nachdenklich und feierlich. Weills Lieder nach Texten von Bertold Brecht sind hingegen sarkastisch und extrovertiert. So unterschiedlich die Stücke aber sind: Sie stellen alle in dringlicher Weise Fragen nach der menschlichen Existenz: Wie gut oder wie schlecht ist der Mensch, was bleibt nach dem Tod, wofür lohnt es sich zu leben?

Die Münchener Mezzosopranistin Merit Ostermann und Uwe Sochaczewsky am Klavier riskieren in ihrem Liederabend ein musikalisches Experiment: Abwechselnd mit den Liedern des Brahms-Zyklus erklingen Songs von Kurt Weill aus der „Dreigroschenoper“, „Mahagonny“ und „Happy End“. Diesen Sprung zwischen den Stilen beherrscht nicht jede Sängerin. Merit Ostermann ist jedoch ebenso im klassischen Gesang wie im Musical zuhause und damit prädestiniert für diesen spannenden ästhetischen Spagat!